Historische Bindemittel
Es wurde in der vorangegangenen Holzfolge angedroht und hier ist sie nun: die Folge über Leime. Allerdings natürlich nicht vollständig, sondern eher mit verstärkem Bezug zu vergangenen Techniken und Technologien. Wie passend, dass Ajuvo und Damals™ mit dabei ist.
Länge: 128:29 Minuten
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06:04
Härten und Trocknen
08:40
Eignung als Bindemittel
11:21
Mineralische Bindemittel
17:32
Öle, fett oder ätherisch
Shownotes
Impressionen aus der Aufnahmesituation:
Und nun die eigentlichen Shownotes:
Trocknen vs. Härten
Trocknung ist ein physikalischer Prozess, Verdunstung des Löse- oder Verdünnungsmittels, meist reversibel und zerstörungsfrei wieder lösbar
Härten ist ein chemischer Prozess, Reaktion des Bindemittels mit Luft oder anderen eingesetzten Materialien, meist irreversibel , lösen der Verbindung ist mit Zerstörung des Materials verbunden
Bindemittel allgemein: "Man kann mit allem malen, was pappt." – Bindemittel kann alles sein, dass sowohl inneren Zusammenhalt hat (Kohäsion) als auch an den verarbeiteten Materialien anhaftet (Adhäsion) und sich sinnvoll verarbeiten lässt.
Mineralische Bindemittel
Öle (fette und ätherische)
trocknende Öle
Leinöl gewonnen aus den Samen der Leinpflanze
seit langer Zeit als Oberflächenüberzug und für Farben gebräuchlich
bildet einen hochelastischen und dauerhaften Polymerfilm
auch für den Salat geeignet
Tungöl , auch chinesisches Holzöl
wiederstandsfähiger als Leinöl neigt aber als Malschicht etwas zur Versprödung
in flüssiger Form giftig aber nach dem Trocknen unbedenklich
Perillaöl
ähnlich dem Leinöl
aus den Samen asiatischen der asiatischen Perillapflanze
halbtrocknende Öle
Hanföl
Mohnöl
Sonnenblumenöl
Walnussöl
nichttrocknende Öle
Harze
pflanzlich
Bernstein, versteinerte Harze die älter als 1 Milion Jahre sind
Kopal, Sammelbezeichnung für verfestigte Harze von Laub- und Nadelbäumen
Dammar, rezentes Baumharz südostasischer Dipterocarpaceen
Mastix, Sekret von Pistaziensträuchern
Sandarak, Exkret nordafrikanischer Coniferen
Kolophonium, Kristaliner Destilationsrückstand von Terpentinen (Ausscheidungen von Coniferen)
Farbharze
Drachenblut, Rezentes rotes Farbharzaus den Früchten asiatischer Palmen
Gummigutt, gelbes Farbharz aus dem Milchsaft der Garnicia Morella (Ostasien, Ceylon, Thailand)
tierisch
Schellack, Tierisches Exkret der ostasischen Stockläuse(Lackschildlaus)
Wachse
Seifen, basische Salze von Fettsäuren
Öl wird durch Zugabe von Alkalien in Fettsäure und Glyzerin gespalten und wasserlöslich
z.B. Marseiller Seife mit einem bestimmten Anteil Fettsäuren
Da chemisch ähnlich lassen sich auch Wachse, Harze und Fette zumindest anverseifen, der Rest wird emulgiert (Punisches Wachs)
Pflanzliche Leime (Kohlenhydrate)
Stärken
aus stärtkehaltigen Pflanzenteilen durch mahlen und waschen gewonnen
können nach dem Einrühren in kaltes Wasser mit heißem Wasser verkleistert werden
Weizen-
Kartoffel-
Mais-
Reis-
…
Dextrine
Abbauprodukte von Stärken
seit 1850 als Malerleim in Aquarellfarben
durch erwärmen auf 160-200°C: Röstdextine
durch Aufschluss mit Säuren: Säuredextrine
durch Abbau mit Diastase: Enzymdextrine
Gummen, wasserlösliche Baumharze
Gummiarabicum, Sekret von Akaziengewächsen aus Afrika oder Asien
Kirschgummi, Exkret erkrankter Steinostbäume hauptsächich der Gattung Prunus
Tierische Leime (Proteine)
Eiweiß:
Das Hühnereiweis selbst als Bindemittel verwendet,
trocknet wasserunlöslich auf
das Eigelb kann duch seinen hohen Lecitingahalt als Emulgator für Temperafarben genutzt werden
Casein:
Ein Bestandteil der Kuhmilch,
wird durch chemische Fällung mit Lab, mineralischen Säuren oder natürliche Säuerung der Milch zu Quark oder als Pulverkasein gewonnen
erhält seine Klebkraft durch alkalischen Aufschluss z.B. mit Hirschhornsalz(Amoniumcarbonat), Borax oder Kalk
Glutinleime
Das in "tierischen Rohstoffen" enthaltene Kollagen wird durch Kochen in wasserquellbares Glutin überführt
Glutinleim ist löslich durch erwärmen
der klassische Tischlerleim
bereits im alten Ägypten in Verwendung
Benennung meist nach eingesetztem Rohstoff
Knochenleim
Hautleim
Lederleim
Gelatine
Fischleim
Audioquellen in Abspielreihenfolge (soweit nicht gemeinfrei)